Verschiedene Materialien zum Bau von Kunstködern

Das richtige Material zum Köderbau

Wer mit dem Köderbau beginnen möchte hat sich sicher schon Gedanken über das Material gemacht. Welchen Zielfisch habe ich? In welcher Tiefe möchte ich angeln? Möchte ich meinen Köder weit werfen oder wird er beim Schleppangeln eingesetzt? Diese und weitere Fragen stehen bei der Wahl des Werkstoffes im Mittelpunkt. Im folgenden Beitrag sind die wichtigsten Materialen für den Bau von Kunstködern wie Wobblern, Poppern, Jerk- und Stickbaits übersichtlich zusammengestellt.

Im folgenden Beitrag sind die wichtigsten Materialen für den Bau von Kunstködern wie Wobblern, Poppern, Jerk- und Stickbaits übersichtlich zusammengestellt

Wie immer gibt es verschiedene Möglichkeiten die je nach Situation unterschiedlich gut geeignet sind – eine Größe passt eben nicht jedem. Schließlich greift man auch nicht nach der Brandungsrute auf dem Weg zum Forellenbach. Welches Material eignet sich also am besten für die zukünftige Zander, Barsch oder Hecht Waffe?

Ein Klassiker unter den Werkstoffen ist aus guten Gründen Holz. Das vielseitige Naturmaterial erfüllt durch einfache Verarbeitung und große Verfügbarkeit wichtige Voraussetzungen zum Köderbau. Bekannter Weise setzt das finnische Traditionsunternehmen Rapala bereits seit 1936 überwiegend auf Balsa-Holz und wurde so zu einem der größten Wobbler-Hersteller der Welt. Diese Tatsache spricht für sich. Außerdem – was gibt es schöneres als die Maserung des Holzes nach dem letzten Schliff zu begutachten?

Eine sehr interessante und ebenfalls leicht zu verarbeitende Alternative zu Holz sind sogenannte Polyurethane. Aus Polyurethan lassen sich einfach Schaumstoffe herstellen die zum Beispiel in Polstern und Matrazen zum Einsatz kommen. Für den Köderbau sind aber insbesondere PU-Hartschaumplatten relevant die glücklicherweise in verschiedenen Dichten produziert werden. Teilweise mit Füllstoffen versehen finden sie als Dämmstoffe und im Modellbau Verwendung. Im Gegensatz zu Holz sind solche Platten absolut homogen und jeder Zentimeter gleicht dem anderen, sozusagen hervorragende Eigenschaften für den Bau von Kunstködern jeglicher Art. Eine Anleitung wie du selber einen Wobbler aus PU Hartschaum zum Spinnfischen auf Meerforellen bauen kannst findest du hier.

Die wichtigsten Material-Eigenschaften im Überblick

Dichte

Form und Dichte des Materials bestimmen den Auftrieb des Köders – Ist die Masse des verdrängten Wasservolumens grösser als die des Köders selbst, schwimmt bzw. treibt er auf. Je nach Material muss also mehr oder weniger Blei zur Beschwerung eingesetzt werden, ganz ähnlich wie beim Tauchen.

Härtegrad

Umso härter der Köder desto resistenter ist er auch gegen scharfe Zähne oder Hindernisse im Wasser. Ein Jerkbait zum Hechtangeln wird z.B. aus hartem Material gefertigt. Das gleiche gilt für alle Köder die für Thunfische oder ähnlich große Meeresräuber gebaut werden.

Trockenheit

Wird Holz verwendet sollte es vollständig getrocknet sein. Feuchtes Holz arbeitet noch und führt früher oder später zu unschönen Problemen. Durch Veränderungen in der Holzstruktur kann es zu Rissen in der Lackierung bzw. Epoxy-Beschichtung kommen. Verliert der Köder im Lauf der Zeit Feuchtigkeit, verändert sich außerdem sein Gewicht wodurch wiederum die Laufeigneschaften negativ beeinflusst werden. Gute Gründe nur hochwertiges und trockenes Holz zu verarbeiten.

Preis und Verfügbarkeit

Während Kant- und Rundhölzer aus Buche oder Balsa fast immer für einen stolzen Preis im nächsten Baumarkt zu finden sind, müssen ausgefallenere Holzarten oder PU Hartschaumplatten häufig online bestellt werden. Der geringe Mehraufwand und die Wartezeit lohnen sich aber (auch für den Geldbeutel) gerade wenn mehrere Köder gebaut werden.  Natürlich sollte der Preis in einer vernünftigen Relation zum Nutzen stehen. Teure Hölzer wie Eiche sind zwar grundsätzlich nicht ungeeignet aber vielleicht besser als Tischplatte aufgehoben, zumal der Köder sowieso lackiert und mit Epoxidharz versiegelt wird und Buche über ähnliche Eigenschaften verfügt.

Holz – der Klassiker im Köderbau

Balsa

Balsa: Superleichtes Weichholz

Balsaholz stammt von dem schnell wachsenden Balsa-Baum, der fast ausschließlich in den Regenwäldern Südamerikas angebaut und geerntet wird. Das superleichte Weichholz  mit geringem Feuchtigkeitsgehalt lässt sich sehr leicht bearbeiten und eignet sich besonders für runde und längliche Köderformen wie Minnows die beim Forellen- oder Zanderangeln eingesetzt werden. Durch das niedrige Gewicht laufen solche Köder besonders lebhaft. Ein weiterer Vorteil: Balsa findet man in jedem größeren Baumarkt oder Modellbauladen in Form von Brettern oder Kanthölzern die sich gut zum Köderbau eignen. Weniger brauchbar ist Balsa für hochrückige und eckige Formen die durch den enormen Auftrieb im Wasser leicht umkippen.

Verleimen von Balsaholz

TIPP: Ist die richtige Stärke nicht verfügbar kann Holz einfach verliemt werden. Für kleinere Stücke eignen sich praktische *Federzwingen und gewöhnlicher *Holzleim

Abachi

Abachi ist ein schnellwachsendes Holz mit geringer Dichte aus der Familie der Malvengewächse welches in Zentral- und Westafrika vorkommt. Es lässt sich ähnlich leicht verarbeiten wie Balsa ist allerdings geringfügig härter. In Verschiedenen Anleitungen zum Bau von Kunstködern wird immer wieder auf Abachi verwiesen. Ein Großteil des Holzes wird jedoch durch Raubbau gewonnen und die Abholzung der Bestände im zentralafrikanischen Becken steht im Zusammenhang mit der Zerstörung von Lebensräumen von bedrohten Wildtieren. Die Verwendung ist daher ökologisch problematisch.

Buche

Oberfläche von Buchenholz

selbst die größte Hechtdame wird sich daran die Zähne ausbeißen

Buche eignet sich gut für den Köderbau und überzeugt durch hohe Dichte und Härte. Der Auftrieb ist vergleichsweise niedrig wodurch die Bebleiung geringer ausfallen kann. Insbesondere für Jerk- und Stickbaits die aktiv geführt werden ist Buche eine hervorragende Wahl und selbst die größte Hechtdame wird sich daran die Zähne ausbeißen. Die Bearbeitung ist allerdings mühsamer als bei oben genannten Hölzern und gerade bei größeren Stückzahlen sind Werkzeuge wie Dekupiersäge und Schleifmaschine extrem Hilfreich. Ist man auf Stichsäge und Raspel beschränkt muss man einfach etwas mehr Zeit einplanen bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist. Buche ist in den verschiedensten Ausführungen erhältlich wobei Kant- und Rundhölzer besonders gut geeignet sind.

Heimische Nadelhölzer wie Fichte oder Kiefer

Nadelholz – Äste sollten gemieden werden

Speziell bei Nadelhölzern sollte bei der Auswahl des Rohmaterials darauf geachtet werden, dass kein Drehwuchs, Harzrückstände oder Äste im Holz vorhanden sind. Solche Stücke sollten grundsätzlich gemieden werden und besser im Kamin landen. Im Vergleich zu Buche fällt die Bearbeitung allerdings leichter und der Lauf von Wobblern wirkt durch das niedrigere Gewicht agiler. Es spricht also nichts gegen einen Versuch mit Nadelholz, insbesondere da Preis und Verfügbarkeit unschlagbar sind.

PU Hartschaum – für jeden was dabei

PU Hartschaum in verschiedenen Ausführungen

Hartschaumplatten sind in den verschiedensten Härtegraden verfügbar und können je nach Situation und Bedarf eingesetzt werden. Der große Vorteil liegt in der homogenen Oberfläche und der ausgezeichneten Kantenfestigkeit die im Rohmaterial durchgehend gleich sind. Bei der Verarbeitung finden dieselben Werkzeuge oder Maschinen Verwendung wie bei Holz und je nach Porengröße kann auch ohne Vorbehandlung lackiert werden. Sehr hochwertiges Material kann Online im Fachhandel für Modell- oder Formenbau bezogen werden. Es lohnt sich definitiv ein Preisvergleich bei verschiedenen Herstellern die zum Teil sehr ähnliche Produkte im Angebot haben. Für Wobbler sind z.B. M330 oder M450 Platten geeignet wobei sich die Bezeichnung auf die Dichte bezieht (kg/m³).

Fazit:

Zu guter Letzt bleib zu sagen dass viele Wege nach Rom führen. Für welches Material man sich entscheidet hängt schließlich auch von den persönlichen Vorlieben ab. Der eine mag es traditionell und arbeitet einfach gerne mit Holz, der andere weis die Vorzüge von Hartschaumplatten zu schätzen. Je nachdem wie tief man in die Materie einsteigen möchte macht es Sinn verschiedene Dinge auszuprobieren und seine eigenen Erfahrungen zu sammeln. Im Vordergrund sollte sowieso immer der Spaß an der Sache stehen!

Hat dir der Artikel gefallen bzw. hast du Verbesserungsvorschläge oder eine andere Meinung zu dem Thema? Dann hinterlasse einen Kommentar und lass es mich wissen. In diesem Sinne viel Spaß beim Basteln und Fische fangen.

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5 comments

    • Hi Ben, freut mich dass dir der Beitrag gefällt. Es werden weitere Berichte und Anleitungen speziell zum Thema Köderbau folgen – Ich freue mich wenn Du wieder vorbei schaust!

  • Erstmal herzlichen Dank.

    Ich finde das Thema auch sehr spannend, möchte mir aber natürlich nicht gleich ultra teure Materialien zulegen, um dann aufgrund von Handwerklicher Unfähigkeit, nur Mist zu produzieren.

    Interessant würde ich es in dem Kontext auch finden, ob man nicht auch z.B. eine Art Knete/ Tonpaste oder so etwas in der Art herstellen kann. Dann in Form bringt und aushärten lässt, beschwert, evt. versiegelt und lackiert.

    Lg

    • Hi Dennis,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich selbst habe noch keine Erfahrungen mit Knete/Modelliermasse gemacht, könnte mir aber vorstellen dass es auch funktioniert. Man bräuchte natürlich ein Material dass man nach der Aushärtung schleifen und bohren kann ohne dass es bricht. Meine ersten Versuche habe ich mit Kanthölzern bzw. Balsaholz aus dem Baumarkt gemacht, dass ist eigentlich auch günstig zu haben und man braucht nicht so viele Werkzeuge. Wenn man einen schönen Köder gebaut hat kann man auch eine Silikonform herstellen und das gleiche Modell immer wieder mit Harz giessen. Bei Gelegenheit werde ich hier einen Bericht mit Anleitung veröffentlichen. Ich würde mich freuen wenn Du mal wieder vorbei schaust!
      LG Josef

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