Lachsangeln auf Vancouver Island

Vancouver Island ist ein Paradies für Lachsangler. Die kanadische Pazifikinsel, 450 km lang und circa 100 km breit, liegt im Südwesten der Provinz British Columbia und zeichnet sich durch ein ganzjährig mildes Klima aus – zumindest für kanadische Verhältnisse. Atemberaubende Regenwälder erstrecken sich entlang des Ozeans unterbrochen von einsamen Stränden. Neben glasklaren Flüssen und Bachläufen lockt der azurblaue Pazifik mit hervorragenden Bedingungen zum Schlepp-, Spinn- und Fliegenfischen.

Vancouver Island – ein Paradies für Lachsangler
Fraser River auf Vancouver Island – hier riecht es förmlich nach Fisch

Da Strömungen für reichlich Nahrung aus dem nördlichen Pazifik sorgen wachsen die Lachse im Meer schnell zu stattlichen Exemplaren heran. Je nach Jahreszeit werden sowohl im Salz- als auch im Süßwasser Chinook, Coho, Sockeye, Pink und Chum Salmon gefangen. Vancouver Island liegt außerdem auf den küstennahen Wanderrouten vieler Walarten von denen manche fast das ganze Jahr über beobachtet werden können. Eine günstige Möglichkeit die Insel zu erkunden und die beeindruckende Natur und Tierwelt British Columbias kennenzulernen ist definitiv das Wohnmobil.

Je nach Jahreszeit werden sowohl im Salz- als auch im Süßwasser Chinook, Coho, Sockeye, Pink und Chum Salmon gefangen

Viele staatliche und private Campingplätze bieten ein perfektes Outdoor-Feeling und laden zum Verweilen ein. Die Preise pro Nacht und Stellplatz liegen je nach Kategorie etwa bei 20-50 CAD. Meistens haben nur die privaten Plätze im oberen Preissegment Strom- und Wasseranschlüsse sowie richtige Sanitäranlagen. Da aber auch kleinere Camper Vans über einen Trinkwasserspeicher und eine Küche mit Gasherd verfügen kommt man durchaus mit kleinerem Budget für einige Tage autark zurecht. In den Wintermonaten und im zeitigen Frühjahr bis Ende April empfiehlt sich in jedem Fall ein Modell mit Generator für die Standheizung die an kalten Tagen Gold wert ist.

Viele staatliche und private Campingplätze bieten ein perfektes Outdoor-Feeling und laden zum Verweilen ein

Der Campingplatz Bella Pacifica bei Tofino liegt direkt am Strand

Auf jedem Campingplatz sind standardmäßig Tisch und Feuerstelle vorhanden dass dem Frühstück mit Blick auf die Brandung oder ein gemütlichen BBQ am Abend nichts im Weg steht. So wird nicht nur das Angeln zu einem ganz besonderen Erlebnis. Ich war Ende März 2018 für 9 Tage auf dieser wunderschönen Insel unterwegs und hatte eine super Zeit. Vielleicht findet der ein oder andere für seine eigene Reiseplanung hier ein paar hilfreiche Tipps.

BC Ferries – Tsawwassen Mills Vancouver nach Swartz Bay Victoria

Den Startpunkt unserer Tour markierte der Fuhrpark von Cruise America in Vancouver. Nach einer kurzen Einweisung per Video rollte unser geräumiges „Motorhome“ dann auch schon Richtung Hafen. Selbst für die großen Modelle reicht übrigens der normale deutsche Autoführerschein. Bereits auf dem Weg zur Fähre wartete der erste Höhepunkt auf mich. Die Tsawwassen Mills, ein Shoppingcenter mit Outdoor World – dem legendären Bass Pro Shop der jedes Anglerherz höher schlagen lässt.

Alleine die Abteilung für Gummiköder beanspruchte die gefühlte Fläche von einem Fußballfeld – ganz zu schweigen von den Booten, Ruten, Rollen, Fliegen usw. usw…. Ich hätte dort locker einen ganzen Tag zwischen den Regalen verbringen können. Wir mussten aber pünktlich die Überfahrt Richtung Victoria – Swartz Bay antreten und so wurde ein Zwischenstopp auf der Rückreise fest eingeplant. Während der 90 minütigen Fahrt bot sich uns auf dem Oberdeck ein traumhafter Ausblick im Sonnenuntergang – spätestens jetzt war klar: wir sind in Kanada angekommen.

Bass Pro Shops Outdoor World: Welcome Fisherman Hunters and other Liars

Da meine beiden Begleiter keine Angler waren und ich aus praktischen Gründen ohne eigene Ausrüstung angereist bin kam für mich von Anfang an nur ein Guiding in Frage. Die erste Ernüchterung folgte allerdings schnell als ich feststellten musste welche Preise für eine Ausfahrt verlangt werden. Pro Stunde sind je nach Personenzahl und Anbieter zwischen 80 und 150 CAD fällig. Trotzdem: Wenn ich schon mal in Kanada bin möchte ich auf keinen Fall die Chance verpassen meinen Traumfisch zu fangen! Dafür wollte ich sogar ein kleines Vermögen bezahlen. Auf Anfrage haben mir verschiedene Anbieter versichert dass es im März nicht notwendig sei vorab zu reservieren – je nach Wetterlage und dem Eindruck vor Ort wollte ich also spontan entscheiden wo gebucht wird. Außerdem wurde mir mitgeteilt, dass im April vor allem „Feeder Chinook“ also jugendliche Königslachse zwischen 4 und 7.5 Kilo gefangen werden. Die erfolgreichste Methode sei das Trolling in Küstennähe. Ein wahrer Hotspot für Angel Charter in allen Preisklassen ist das kleine Dorf Tofino im nordöstlichen Teil der Insel. Die unmittelbare Nähe zum Pacific Rim Nationalpark bietet außerdem die Möglichkeit die Regenwälder auf Jungletrails zu entdecken. Die mit Holzplanken befestigten Wege führen über Bäche vorbei an bizarren Wurzelgebilden und riesigen Zedern. Bei Ebbe lohnt sich ein Abstecher zum Strand wo verschiedenste Weichtiere wie Austern zum Vorschein kommen. An vielen Stellen warnen allerdings Schilder vor dem Sammeln der Muscheln wenn bestimmte Algen oder Cyanobakterien im Wasser vorkommen die Neurotoxine enthalten. Der Verzehr von Schalentieren wird dann zu einem gefährlichen Vergnügen.

Regenwälder erstrecken sich entlang der Küste

In Tofino angekommen war zu meiner Enttäuschung für die nächsten drei Tage nur Regen und Starkwind vorhergesagt. Nach mehreren Telefonaten mit verschiedenen Guides wurde schnell klar dass eine Ausfahrt sehr ungemütlich werden würde. Zudem waren alle Anbieter auf Nachfrage nach den aktuellen Fangaussichten mehr als zurückhaltend. Ich bin sicher kein Schönwetter Angler aber 600 CAD standen einfach in keinem Verhältnis zu den Bedingungen. Mit Sicherheit kann man dort fischereiliche Sternstunden erleben – aber eben nur wenn das Wetter mitmacht.

Die mit Holzplanken befestigten Wege führen über Bäche vorbei an bizarren Wurzelgebilden und riesigen Zedern. Bei Ebbe lohnt sich ein Abstecher zum Strand wo verschiedenste Weichtiere wie Austern zum Vorschein kommen

Lachsangeln in der Pedder Bay bei Sooke

Bereits auf dem Rückweg Richtung Victoria, und leicht nervös dass es doch nicht klappen könnte mit dem Lachs, musste also schnell eine Alternative her. Die letzte Hoffnung war das RV Resort & Marina „Pedder Bay“ in der Nähe von Sooke.  Wie sich herausstellen sollte entpuppte sich der Platz als echter Geheimtipp mit freundlichem Personal und traumhafter Lage direkt am Wasser. Als dann auch noch ein Wetterumschwung einsetzte und die Sonne zum Vorschein kam habe ich ohne zu zögern eine drei stündige Ausfahrt für den nächsten Morgen gebucht. Der Preis mit 80 CAD pro Stunde war ein wahres Schnäppchen verglichen mit den Angeboten in Tofino – dafür fiel das Boot etwas kleiner aus. Am nächsten Tag ging es gegen 10 Uhr aufs Wasser und wir konnten bereits nach zehn Minuten mit dem Fischen beginnen. Unser Guide Chris war ein super Typ Mitte 40 mit viel Erfahrung auf See. Gefischt wurde mit zwei Ruten am Downrigger, eine im Mittelwasser die andere kurz über Grund. Als Köder wurden Lachsblinker, Shrimp-Imitate oder eine Sardine eingesetzt. Dem Vorfach von ca. 1,50 m wurde ein Flash-Reflektor vorgeschalten.

Der erste Lachs hat sich den Köder geschnappt

Nach kurzer Zeit zuckte es kräftig in der Rutenspitze und Chris übereichte mir nach einem gekonnten Anschlag grinsend die Angel – ich glaube er hat mir die Freude an der Nasenspitze angesehen. Nach einem kurzen Drill blitze der erste Fisch silbern unter dem Boot: Endlich, der erste Lachs meines Lebens! Wenige Sekunden später zappelte ein wunderschöner Chinook von ca. 60 cm im Kescher, der Urlaub war für mich gerettet. Dem ersten Fisch folgten noch zwei weitere Bisse von denen wir leider nur einen Verwandeln konnten. Trotzdem war ich mit den beiden Lachsen mehr als zufrieden. Interessant war das alle Bisse in den Gezeitenwechsel fielen. Auch an der Oberfläche war zu erkennen dass in diesem Zeitfenster viel Aktivität im Wasser war. Beide Fische waren keine Wildlachse und markiert (ohne Fettflosse). Im Hafen wurde deshalb jeder Fisch sorgfältig vermessen und ein kleines Stück der Rückenflosse als DNA Probe entnommen. Die Köpfe wurden dann mit dem Fangort gekennzeichnet und eingefroren. Wer möchte konnte noch seine E-Mail Adresse hinterlassen um später Informationen über Aufzuchtort und Wanderroute der gefangenen Fische zu erhalten. Das Fischereimanagement und der Erhalt von Fischbeständen und deren Lebensräumen spielen in Kanada erfreulicherweise eine wichtige Rolle! Selbstverständlich wurden die frischen Fische noch am gleichen Abend auf dem Grill zubereitet und so ging ein perfekter Urlaub mit einem perfekten Abendessen an Kanadas Pazifikküste zu Ende. Du willst nicht auf einen anderen Kontinent reisen und trotzdem einen perfekten Angelurlaub erleben? Schweden ist immer eine Reise wert!

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